Im geschützen Raum*

März 2021
Material: Ulme, Schieferplatte und Harzsteine
Höhe: 21 cm


2013 übernahm ich die Ulme von einem Frankfurter Freund. Er wollte sie loswerden, weil sie ihm als Bonsai ungeeignet erschien. Mir gefiel der Stamm. Also setzte ich sie „zurück auf Los“, indem ich den Stamm absägte. Ulmen reagieren mit viel Neuaustrieb aus der Schnittstelle. Daraus gestaltete ich über Jahre die neue Krone.

2016 fand ich die drei „Felsen“ in der Nähe von Elbingerode. Fünf Jahre standen sie dann einfach in unserem Garten. Den Größten kombinierte ich schon einmal auf andere Weise mit der Ulme. Das bekam ihr aber nicht – es war zu wenig Raum. Aus dieser Enge rettete ich sie im Sommer 17 vor dem Trockentod und gab ihr viel Raum in einem Beet und im nächsten Jahr in einer Schale. Plan A war also gescheitert.

2020 überlies mir ein anderer Freund die Schieferplatte. Irgendwann nahm dann Plan B Gestalt in meinem Kopf an. Nach Flexeinsatz und einer Stellprobe klebte ich die Felsen auf die Platte und bohrte ein großes Loch für überschüssiges Wasser. Die Ulme schnitt ich so weit wie möglich zurück. Sie sollte nicht viel höher als der höchste Fels sein.
Meine Idee: Der große Fels schützt die Ulme vor dem kalten Nord-Ost-Wind. Sie gedeiht „Im geschützten Raum“.

Den brauchen wir auch immer wieder: Raum zum Atmen und Leben, indem wir sagen können, was Sache ist; wo wie sein dürfen, wie wir sind, ohne Verbiegen und ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.
Sehr eindrücklich erlebte ich das in der Klinik in Elbingerode. Dort war mein geschützter Raum für zwölf Wochen psychotherapeutischer Therapie. Die Felsen fand ich in dieser Zeit.

Kürzlich schrieb ich meiner Tochter in einem anderen Zusammenhang: „Plan B wird letztlich besser werden – so ist das manchmal im Leben.“
Und es braucht einfach seine Zeit. Die Blätter, die noch nicht zu sehen sind, auch.

Im geschützen Raum*
Im geschützen Raum*

Preis auf Anfrage